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Ich muss heute mal über KI schreiben.

 

Und ja: Das ist jetzt ein bisschen gefährlich. Denn natürlich nutze ich selbst KI. Gerne sogar. Um Texte zu verbessern, Gedanken zu sortieren, Informationen zusammenzufassen oder aus einem ziemlichen Buchstabensalat etwas halbwegs Lesbares zu machen. KI kann wirklich hilfreich sein. Wir integrieren sie auch als DSGVO Variante in unserer Verwaltung,… und ja… unser Telefonagent Charly ist zwar Freund von vielen, aber nicht von allen. : – )

 

Aber ich glaube auch: Wenn wir so weitermachen, wird sie uns irgendwann alle in den Wahnsinn treiben.

Bei Social Media haben wir uns ja fast schon daran gewöhnt. Da werden inzwischen Plakate, Bilder und Beiträge veröffentlicht, bei denen Menschen sechs Finger haben, Schriftzüge aus einer bislang unbekannten Sprache bestehen und irgendein Kind mit 37 Zähnen fröhlich in die Kamera grinst. Plakate schauen alle gleich aus und selbst die Bundestagspräsidentin rotzt Schulbeginn ein KI Bild von sich selber raus.

>> Geschenkt.

Spannender wird es dort, wo KI plötzlich nicht mehr Arbeit erleichtert, sondern Arbeit produziert.
Und da kann ich aus einer „Behörde“ inzwischen sagen:
KI ist teilweise keine Arbeitserleichterung mehr. KI ist eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.

Ein super Beispiel sind Bauleitplanungen.
Eine Gemeinde stellt einen Bebauungsplan auf, Unterlagen werden öffentlich ausgelegt und Bürger können Einwendungen und Hinweise vorbringen.

Das ist wichtig. Und zwar nicht deshalb, weil wir als Kommune wahnsinnig gerne Einwendungen lesen. Sondern weil wir wissen wollen: Wo liegt möglicherweise ein Problem? Was beschäftigt die Menschen? Was haben wir vielleicht übersehen? Wo gibt es einen Konflikt, den ein Planer am Schreibtisch gar nicht erkennen konnte? Was wissen nur die Leute, die schon seit Jahren in der Nähe wohnen?
Diese Hinweise bearbeiten wir dann gerne, denn niemand will den Bürgerinnen und Bürgern was überstülpen, sondern der Marktrat will gemeinsam nach Lösungen und Abwägungen der unterschiedlichen Interessen suchen.

Und dann kommt KI.

Früher schrieb vielleicht jemand: „Ich wohne seit 30 Jahren hier und habe alle 10 Jahre Wasser im Keller, weil der nun zur Bebauung anstehende Acker nicht abläuft.“ Perfekt. Damit kann man arbeiten.

Heute bekommt man stattdessen 20 Seiten mit Überschriften, Unterüberschriften, halbjuristischen Referaten, möglichen Auswirkungen auf Fledermäuse, Grundwasser, Mikroklima, Verkehr, Artenschutz, Lärmschutz, Hochwasserschutz, Landschaftsbild und wahrscheinlich noch die Erdrotation. Und irgendwo auf Seite 14 versteckt sich dann der eigentliche echte Punkt: „Wir hatten mal Wasser im Keller“ (Wenn er überhaupt von der KI aufgenommen wurde)

Woran wir das erkennen, dass es KI ist?
naja. Haben wir früher schon einmal einen Brief an eine Behörde bekommen, in dem nach jedem zweiten Absatz ein passendes Emoji stand? Oder bei dem jeder Gedanke durch einen wunderschönen langen Gedankenstrich vom nächsten getrennt wurde? Bei der statt Spiegelstriche ein grüner Emoji-Haken verwendet wurde?

Ich sage es einmal so: Die Verwaltungssprache hat sich in den letzten 150 Jahren nicht ganz so schnell weiterentwickelt.

Das eigentliche Problem ist aber gar nicht, dass man erkennt, dass KI verwendet wurde.
Das Problem ist, wie sie verwendet wird.

Wenn der Prompt sinngemäß lautet: „Hier ist ein Bebauungsplan. Schreibe mir alle möglichen Einwendungen dagegen.“ …dann macht die KI genau das.

Sie schreibt alle möglichen Einwendungen dagegen. Ob sie mit dem eigenen Problem etwas zu tun haben oder nicht. Und plötzlich produziert ein Verfahren nicht mehr 30 Seiten Stellungnahmen, sondern mehrere hundert. Die müssen gelesen werden. Sie müssen bewertet werden. Fachstellen müssen sich damit beschäftigen. Planer müssen darauf eingehen. Der Gemeinderat muss sie abwägen.

Das kostet Zeit und Geld.

Und das Verrückteste daran: Auch der Einwender selbst hat davon möglicherweise gar nichts. Denn sein „echter Schmerzpunkt“ geht zwischen 19 anderen, von der KI gefundenen Problemen komplett unter.

Dabei wäre genau das Gegenteil sinnvoll. Nutzen wir KI gerne, um Gedanken zu sortieren. Lassen uns helfen, einen Sachverhalt verständlich zu formulieren. Lassen Rechtschreibfehler verbessern.
Aber sagen wir der KI, was das Problem ist. Nicht: „Finde mir möglichst viele Probleme.“

Ein zweites Beispiel sind Förderanträge. Wir bekommen Anfragen für kommunale Förderungen, für soziale Projekte und künftig natürlich auch für unsere Stiftung „Herz für Beratzhausen“.
Und ich sage ganz bewusst: „Ich nehme tausendmal lieber einen echten Antrag mit 20 Rechtschreibfehlern entgegen als eine perfekte, seelenlose KI-Mail.“
Schreiben Sie mir: „Wir sind 15 Jugendliche und unser alter Tischkicker im Vereinsheim ist kaputt. Ein neuer kostet 600 Euro. Wir haben selbst 300 Euro gesammelt. Könnt ihr uns mit ein paar Euro helfen?“

Da weiß ich alles, was ich wissen muss. Ich weiß, wer etwas möchte. Ich weiß, warum. Ich weiß, was es kostet. Und ich merke: Da sitzen echte Menschen dahinter, die sich Gedanken gemacht haben.

Wenn dagegen eine E-Mail beginnt mit: „…mit großer Begeisterung haben wir von der wertvollen Initiative Ihrer Stiftung erfahren, die einen bedeutenden Beitrag zur nachhaltigen Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und der sozialen Teilhabe in unserer Region leistet …“ „Wir setzen die Mittel in einem klar auf Beratzhausen begrenzten Projektbaustein ein“ und „ausschließlich für nachweisbare Kosten, die dem Stiftungszweck … zugutekommen“

…dann weiß ich nach drei Zeilen schon ziemlich genau, wer diesen Antrag geschrieben hat. Oder besser gesagt: wer ihn nicht geschrieben hat.

Dabei wäre KI gerade hier ein tolles Werkzeug. Schreibt euren Antrag selbst. Erzählen Sie, was Sie vorhaben. Schreiben rein, warum Sie Unterstützung brauchen. Und wenn Sie sich mit Formulierungen schwertun, geben Sie den Text anschließend einer KI und sagen:

„Mach das bitte etwas verständlicher und korrigiere meine Rechtschreibfehler. Aber lass es nach mir klingen.“ Genau dafür ist KI großartig.

Was wir gerade aber teilweise machen, ist etwas anderes. Wir sparen uns fünf Minuten eigenes Nachdenken und erzeugen damit auf der anderen Seite zwei Stunden zusätzliche Arbeit. Und wenn das jeder macht, haben wir am Ende eine ziemlich absurde Welt:

Eine KI schreibt einen 20-seitigen Antrag.
Eine zweite KI fasst ihn auf zwei Seiten zusammen.
Eine dritte KI erstellt daraus eine Stellungnahme.
Eine vierte KI formuliert die Antwort.

Und am Ende sitzen zwei Menschen davor, lesen jeweils nur noch die Zusammenfassung und versuchen herauszufinden, was der andere eigentlich wollte.

Vielleicht ist deshalb die wichtigste KI-Kompetenz der nächsten Jahre gar nicht, möglichst gute Prompts schreiben zu können.
Vielleicht ist es die Fähigkeit zu wissen, „wann man die KI einfach mal nicht braucht.“

Denn ein echter Gedanke in drei krummen Sätzen ist mir manchmal lieber als 20 Seiten perfekte künstliche Intelligenz.

Und falls Sie sich jetzt fragen, ob ich diesen Text mit einer KI geschrieben habe:

Ich glaube man liest an der Verzweiflung heraus… nein.
Aber ja: Die Rechtschreibfehler hat (hoffentlich alle) die KI korrigiert.

Und jaaaaa. Das Titelbild hat den KI-Prompt: mache mir ein extra auffälliges und furchtbares KI Bild zu meinem folgenden Blogbeitrag. : – )

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