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Eine nüchterne Analyse der Kostenentwicklung und was sie für Beratzhausen bedeutet

Vorab: Nein ich bin kein Ideologe, kein Klimakleber oder ähnliches. Ich bin ausgebildeter Betriebswirt und als dieser Interessieren mich nüchterne Zahlen und Wirtschaftlichkeit.
Aus diesem Grund habe ich diesen kleinen Blogpost formuliert. Nicht weil ich irgendjemanden aus Gas oder Öl rausquatschen will. Aber weil ich zumindest aufzeigen möchte was preislich passiert, selbst wenn sich an der Börse nichts tut.

In der öffentlichen Debatte wird der Gaspreis oft auf eine einzige Zahl reduziert: den Börsenpreis. Sinkt dieser, entsteht schnell der Eindruck, das Thema sei erledigt.
Diese Sicht greift jedoch zu kurz. Denn für Haushalte, Kommunen und Netzbetreiber ist nicht der Gaspreis allein entscheidend, sondern die Gesamtkostenstruktur des Systems Gas. Und genau diese Struktur führt dazu, dass Heizen mit Gas auch bei konstantem Börsenpreis in den kommenden Jahren spürbar teurer wird.

1. Woraus sich der Gaspreis wirklich zusammensetzt

Der Endpreis für Erdgas setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen:

a. Gasbeschaffung (Börsenpreis)

Der eigentliche Rohstoffpreis, der an Handelsplätzen entsteht.
Für diese Analyse nehmen wir bewusst eine unrealistische Annahme an: Er bleibt langfristig konstant, auch wenn dieser tendenziell steigen dürfte.

b. CO₂-Preis

Erdgas ist ein fossiler Energieträger. Jede verbrauchte Kilowattstunde verursacht CO₂-Emissionen.
Diese werden über den nationalen CO₂-Preis (BEHG) belegt, der politisch festgelegt und planmäßig steigt.
➡️ Wichtig: Dieser Anstieg erfolgt unabhängig von Marktpreisen. (Anmerkung dies gilt auch für den Ölpreis).

c. Netz- und Transportentgelte

Gasnetze verursachen hohe Fixkosten:
Betrieb, Wartung, Instandhaltung, Sicherheitsanforderungen, Abschreibungen

Diese Kosten bleiben nahezu gleich – egal wie viel Gas tatsächlich durch das Netz fließt.

Sinkt die Zahl der angeschlossenen Haushalte, gilt:

Gleiche Kosten ÷ weniger Nutzer = höhere Entgelte pro Haushalt

d. Steuern und Abgaben

Energiesteuer, Konzessionsabgaben und weitere staatliche Bestandteile verändern sich ebenfalls – in der Regel nicht zugunsten sinkender Endpreise.


2. Der strukturelle Effekt: Die Gasnutzung schrumpft

Parallel zur Preisentwicklung passiert etwas Entscheidendes:

  • Die Zahl der Wärmepumpen steigt

  • Neubauten setzen fast vollständig auf nicht-fossile Heizsysteme

  • Bestehende Gebäude werden schrittweise umgestellt

Das führt zu einem klassischen Infrastruktur-Dilemma:

  • Das Gasnetz bleibt bestehen

  • Die Nutzung nimmt ab

  • Die Kosten pro Anschluss steigen weiter

Damit wird das Gasnetz nicht nur teurer, sondern mittelfristig auch betriebswirtschaftlich immer schwieriger zu betreiben.


3. Gas vs. Nahwärme (Preisindex)

Die Grafik zeigt einen Preisindex (2024 = 100):

  • Gasheizung: steigender Index – trotz konstantem Börsenpreis

  • Nahwärme: deutlich flachere Entwicklung

Warum ist das so?

Gas:

  • Hoher Anteil fixkostenabhängiger Netzentgelte

  • Voller CO₂-Preis auf fossilen Brennstoff

  • Schrumpfende Nutzerbasis

Nahwärme:

  • Kein individuelles Gasnetz bis ins Haus

  • Keine oder nur geringe CO₂-Kosten (je nach Erzeugung)

  • Preisbildung über Erzeugung, Investition und Betrieb – nicht über nationale Netzentgelte

 

(beispielhafte Visualisierung bei den oben genannten Annahmen, bzw. bereits bekannten Co2 Preisen, Abgaben und Prognosen)


4. Was bedeutet das konkret für Beratzhausen?

a. Mehr Wärmepumpen, Holzheizungen & Nahwärmeanschlüsse

Die Wirtschaftlichkeit von alternativen Heizmethoden verbessert sich relativ zur Gasheizung  – selbst ohne zusätzliche Förderprogramme. Das wird die Zahl der Wärmepumpen im Bestand weiter erhöhen. Wo möglich werden die Eigentümer auf Nahwärme umsteigen.

b. Sinkende Auslastung des Gasnetzes

Mit jedem Umstieg:

  • sinkt der Gasabsatz

  • steigt der Kostenanteil pro verbleibendem Haushalt

Das Gasnetz wird damit immer weniger ausgelastet und gleichzeitig teurer im Betrieb.

c. Steigende Netzentgelte als Beschleuniger

Dieser Effekt verstärkt sich selbst:

  • höhere Kosten → mehr Wechsel → noch höhere Kosten

Ein klassischer struktureller Abwärtspfad, nicht ausgelöst durch Ideologie, sondern durch Mathematik.


5. Was machen beispielsweise Nahwärmenetze anders?

Nahwärmenetze funktionieren grundlegend anders:

  • Preisbildung basiert auf einem Index der sich zusammensetzt aus:

    • 30% der Wärmepreisentwicklung

    • 15% der Maschinenpreisentwicklung

    • 35% der Strompreisentwicklung

    • 10% der Lohnpreisentwicklung
  • Dadruch besteht keine Abhängigkeit von bundesweiten Gasnetzentgelten

  • eine Großteils abgekoppelte Entwicklung zur CO₂-Bepreisung

Natürlich wird auch ein Nahwärmenetz die Inflation mittragen, Aber wenn man so will, kann man es eine stabile „Wärmepreisbremse“ nennen.


Fazit

Die zentrale Erkenntnis lautet:

Die Frage ist nicht, ob Gas heute günstig ist –
sondern ob das System Gas langfristig tragfähig bleibt.

Für Beratzhausen heißt das:

  • sinkende Auslastung des Gasnetzes

  • zunehmende wirtschaftliche Herausforderungen für den Netzbetrieb durch den Betreiber

  • und gleichzeitig eine große Chance durch Nahwärme als stabile, kommunale Infrastruktur

Nicht als kurzfristige Reaktion, nicht als Ideologie, sondern als strategische Antwort auf eine strukturelle Entwicklung.