Als ich im Jahr 2020 das erste Mal das Rathaus betreten habe, war mein allererster Eindruck… sagen wir mal: nostalgisch.
Da stand sie – die gute alte Stempeluhr. Mit Karteikarten! Jede Mitarbeiterin, jeder Mitarbeiter steckte seine Karte hinein, „Pling“, und schon war der Arbeitstag offiziell begonnen. Abends dasselbe Spiel. Danach wurde alles per Hand übertragen, in eine Excel-Tabelle eingetippt und irgendwann ins System eingespeist.
Man könnte auch sagen: Wir haben die Digitalisierung betrieben wie jemand, der seine Brieftauben jetzt immerhin in eine Excel-Liste einträgt.
Digital war das – ja. Modern? Nicht wirklich.

Der erste Schritt: raus aus der analogen Komfortzone
Genau hier haben wir angesetzt. Unser Anspruch war: Wir wollen nicht nur aufholen – wir wollen vorangehen.
Und so haben wir die Ärmel hochgekrempelt.
Zuerst haben wir das Einwohnermeldeamt modernisiert. Kein Bürger musste mehr Fotos mitbringen, die dann gescannt wurden – Die Bilder wurden ab sofort direkt vom Fotoautomat ins Bürgerbüro überspielt, Fingerabdrücke und Unterschriften wurden in ein digitales Pad geleistet. Heute stehen wir an einer Stelle, wo Bürgerinnen und Bürger an einem Selbstbedienungsterminal alles in einem Rutsch erledigen können – von Foto über Fingerabdrücke bis Unterschrift.
Ein spannender Schritt, wenn man die Stempelkarten-Mentalität von damals noch im Kopf hat.
Kleine Revolutionen im Alltag
Wir haben aber nicht nur ein bisschen modernisiert – wir haben den Alltag komplett verändert.
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EC-Kartenzahlung im Rathaus? Damals exotisch, heute selbstverständlich.
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Digitale Zeiterfassung für Mitarbeiter – per Handy oder Terminal.
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Digitaler Bewerbungsmanager, der Bewerbungen papierlos und transparent macht.
Und dann die Apps – die kleinen Helfer, die im Alltag große Wirkung haben:
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Eine Bürger-App, mit der wir direkt und schnell informieren.
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Eine Kita-Essens-App, die Bestellungen automatisch an den Caterer weitergibt.
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Eine Eltern-App, die Kita und Schule mit den Eltern verbindet.
Und nicht zu vergessen das Bürgerserviceportal, in dem heute vieles erledigt werden kann: von der Vereinsausrüstung bis zur Geburtsurkunde – bequem von zuhause aus.
Digitalisierung innen wie außen
Auch intern haben wir uns neu aufgestellt.
Mit einem Kanban-Board organisieren wir unsere Projekte und speichern Wissen so, dass nichts verloren geht. Wir haben aus einem „Aktenordner-Rathaus“ ein Rathaus mit digitalem Gedächtnis gemacht. Auch Kontrollgänge für Bäume, Spielplätze usw. werden nun digital statt auf einer Checkliste geprüft.
Und wir haben uns um das große Ganze gekümmert:
Unser alter Rathaus-Server – ein treues, aber betagtes Stück Technik – war sicherheitstechnisch längst aus der Zeit gefallen. Heute läuft alles im Rechenzentrum in München. Damit haben wir höchste Standards bei Datensicherheit, Updates und IT-Betreuung. Das ganze angebunden in nahezu Echtzeit über ein Glasfaserkabel direkt ins Bayerische Behördennetz.
Nächstes Kapitel: die Telefonanlage 2.0
Ende September setzen wir das nächste Ausrufezeichen: eine Cloud-Telefonanlage.
Unsere alte Anlage war so analog, dass wir bei Störungen bestenfalls hoffen konnten, dass irgendjemand noch ein Ersatzteil findet. Mit der neuen Lösung sind wir flexibel, sicher und unabhängig.
Von der Stempeluhr zur Auszeichnung

Mein Lieblingsmoment in dieser ganzen Reise?
Als die damalige Digitalministerin Judith Gerlach persönlich nach Beratzhausen kam und uns die Auszeichnung als „Digitales Amt“ überreichte (als erste Kommune im Landkreis Regensburg).
Wenn man sich vor Augen führt, dass wir nur ein paar Jahre zuvor noch mit Karteikarten gestempelt haben – dann ist das wie ein Sprung vom Faxgerät ins Glasfaserzeitalter.
Mein Dank
Digitalisierung bedeutet nicht nur Technik. Sie bedeutet Menschen, die bereit sind, Neues zu lernen und Altes loszulassen.
Darum gilt mein besonderer Dank allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Rathaus, die diesen Weg mitgegangen sind. Ohne ihren Einsatz, ihre Offenheit und ihren Mut wäre das nicht möglich gewesen.
Neu denken – stark weiter.machen
Vor fünf Jahren sind wir mit dem Motto „Lasst uns neu denken“ gestartet.
Und wir haben neu gedacht.
Wir haben Dinge, die scheinbar unverrückbar waren, auf den Kopf gestellt – und ein Rathaus geschaffen, das bürgerfreundlicher, moderner und zukunftsfähiger ist.
Jetzt geht es um die nächste Etappe. Wir wollen nicht stehen bleiben, sondern den Weg konsequent weitergehen.
Darum sage ich: Lasst uns stark weiter.machen.
